Lebendige Engel auf dem Bauernhof

Zeitschrift "Frau und Familie", Ausgabe 12-2006
Bäuerlicher Weihnachtsmarkt in Odenspiel war Publikumsmagnet.

"Hilfe, mein rechter Flügel klemmt". "Kannst du mal meinen Heiligenschein festmachen? Der ist verrutscht!". - Vor der kleinen weißen Odenspieler Dorfkirche im Oberbergischen Kreis legt die Theatergruppe letzte Hand an ihre phantasievollen Kostüme. Denn um 14.00 Uhr sind sie an der Reihe: Auf dem nur knapp 100 m entfernten Hof von Lars Dissmann gestalten die 25 Kinder und Jugendlichen der Kirchengemeinde in diesem Jahr eine "lebendige" Krippe. Ihren Weg in die zum weihnachtlichen Basar umgestaltete Maschinenhalle des Bauernhofes müssen sich die Akteure regelrecht bahnen, denn es wimmelt nur so von Menschen.
Lebendige Engel auf dem Bauernhof
Vom Flop zum Hit
An den drei Adventswochenenden kann der Familienbetrieb von Lars Dissmann das Publikum aus Oberberg und darüber hinaus kaum fassen. Offenbar zündet die Idee des bäuerlichen Weihnachtsmarktes, die Lars Dissmann seit 2003 mit wachsendem Erfolg umsetzt. Dabei, begann alles mit einem ziemlichen Flop. Der 35-Jährige hat sich neben Rinderzucht und Natursteinverarbeitung seit etlichen Jahren auch auf den Anbau und Vertrieb von Weihnachtsbäumen verlegt. "Warum den Direktverkauf nicht mit Glühwein und Würstchen ein bisschen aufpeppen", so die Anfangsüberlegung. "Gerade mal Würstchen haben wir damals verkauft". erinnert er sich an das erste Jahr.

Lebendige Engel auf dem BauernhofFür den Agrar-Techniker war das aber kein Grund aufzugeben. "Dann dreh ich eben an der großen Kurbel", beschloss er und betrieb im Folgejahr sorgfältige Akquise im Blick auf mögliche attraktive Aussteller. Bewusst knüpfte er Beziehung zu den heimischen Vereinen wie Posaunenchor und Feuerwehr. Dass der Weihnachtsmarkt auf dem Bauernhof allerdings solch ein Publikumsmagnet werden würde, hat sich der findige Landwirt nicht träumen lassen. "Man muss einfach was versuchen", findet er.

Bei der Auswahl der Aussteller setzt er auf Qualität und die Zusammenarbeit mit Erzeugern aus der Region: Ob es um kulinarische Angebote, wie biologisch gebackenes Brot aus der benachbarten Bäckerei, um Fleisch aus einer Traditionslandmetzgerei aus dem Nachbarort oder um anspruchsvolles Kunsthandwerk geht: "Hier wird kein Ramsch angeboten wie er auf Weihnachtsmärkten schon mal vertreten ist", meint Lars Dissmann. Ein Konzept, dem Erfolg beschieden ist, weil die Menschen das Besondere suchen.

Kerzen, Krippen, Tiere
Lebendige Engel auf dem BauernhofGemeinsam mit Saisonarbeitern aus Polen beginnen Wochen vor Weihnachten schon die Vorbereitungen: Hütten aufbauen, Maschinenhalle leer räumen, Weihnachtsbäume aller Größen und Sorten schlagen und dekorativ aufbauen, die Markterlaubnis einholen, und so weiter. Zwei Wochen vorher und eine Woche nachher ist Hochbetrieb angesagt. Und neben dem wirtschaftlichen Erfolg hat der Weihnachtsmarkt noch einen erfreulichen Nebeneffekt: "Einmal im Jahr wird der Hof richtig aufgeräumt", meint Lars Dissmann lachend.

Kerzen aus Bienenwachs, selbstgebaute Krippen, Strickwaren aus Alpakawolle – nebst den nebenan zu bewundernden lebendigen Tieren – aparter aus Halbedelsteinen, Töpferwaren, edle Puppen – alles ist zu bestaunen und natürlich auch zu kaufen. Altes Handwerk oder alte Haustierrassen samt eines Esels, gleich neben dem Schauplatz für das Krippenspiel, locken kleine und große Weihnachtsmarktbummler. Und ein riesiger Weihnachtsmann hoch oben auf dem Siloturm weist Ortsunkundigen bereits von weitem den Weg.